PM: Kundgebung “Feiern und Gedenken”

Am Mittwoch, den 2. Mai 2018 kamen um 17 Uhr ca. 25 Menschen auf dem Grunthalplatz zusammen, um den 73. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus zu feiern.
Mit Musik und einem Redebeitrag wurde an das Eintreffen der Alliierten in Schwerin und Nordwestmecklenurg erinnert, was für tausende Menschen das Ende des Naziterrors bedeutete. Auch wurde thematisiert, wie Faschisten die Geschichte umdeuten wollen, beispielweise wenn die AfD von einer „sauberen Wehrmacht“ oder einem vermeintlichen „Schuldkult“ wegen der NS-Verbrechen fabuliert. Derartige Geschichtsverdrehung und Verharmlosung wird von der Kundgebung entschieden zurück gewiesen.
Die Wahl des Platzes ist nicht zufällig, denn genau an diesem Ort wurde nur wenige Stunden vor dem Eintreffen de Alliierten die Zehdenicker Lehrerin Marianne Grunthal von SS-Männern aufgehängt.
 
„Es ist unerträglich, dass dieser Platz, und damit auch der Name Grunthals, in den letzten Jahren für eine Vielzahl rechter Veranstaltungen herhalten musste.“, sagt Max Goldbaum, einer der Organisatoren. Viele rassistische Demonstrationen fanden hier statt, 2015 sogar regelmäßig.
Dazu kommt, dass es bis auf die unscheinbare Gedenktafel keinerlei Erinnerungskultur gibt. „Ziel der Kundgebung war es deshalb auch, ein würdiges Gedenken zu schaffen und weder hier, noch anderswo den Neonazis den Platz zu überlassen.“ 
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Am Ende der Kundgebung zeigt sich Goldbaum zufrieden: „Wir konnten viele Menschen erreichen, es gab gute Gespräche und wir konnten in schöner Runde den Jahrestag der Befreiung feiern, sowie die Erinnerung bewahren.”
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Nachfolgend dokumentieren wir den Redebeitrag:
Liebe Genoss_Innen,
heute, vor 73 Jahren wurde Schwerin vom Nationalsozialismus befreit. Am frühen Morgen des 02. Mai 1945 erreichten Panzereinheiten der 2. Belorussischen Front der Roten Armee unter Marschall Rokossowski das Ostufer des Schweriner Sees, während im Westen die 21. Anglo-amerikanische Heeresgruppe des Feldmarschalls Montgomery in Richtung der Demarkationslinie vorrückte. Bereits in den Mittagsstunden besetzten Einheiten der 8. Amerikanischen Infanteriedivision kampflos die 60.000 Einwohner zählende Gauhauptstadt Schwerin und besiegelten ihre militärische Niederlage.
Dass die Stadt Schwerin wohl größtenteils ohne Widerstand eingenommen werden konnte, heisst jedoch nicht, dass sie nicht Teilgenommen hat an der Vernichtungspraxis der Nazis. Bis zum Einmarsch der Alliierten Streitkräfte setzte das Schweriner Stadtbauamt Kriegsgefangene aus mehreren Nationen für die Straßenunterhaltung und Luftschutzmaßnahmen, bei der Müllabfuhr, der Friedhofsverwaltung und der Unterhaltung städtischer Gebäude ein. Viele Privatbetriebe profitierten anscheinend gern von Zwangsarbeitern, die als billige Arbeitskräfte benutzt wurden.
Schon 1933 wurde den jüdischen Bewohner_Innen Schwerins das Leben erschwert. Durch Boykottaufrufe beispielsweise des Kaufhaus Kychenthal am Markt brachen deren Profite ein. Am 9. November 1938 wurde nicht nur das Kaufhaus, sondern auch die Privatwohnungen der Familie Kychenthal durch die Nazis verwüstet. Alle 16 männlichen Juden kamen als sog. Schutzhäftlinge nach Neustrelitz. Die meisten von ihnen starben später im KZ Theresienstadt. Schon die Antifa Schwerin Mitte hatte 2005 treffend festgestellt:
Es bleibt […] dabei: Wer nicht mitgemacht hat, hat zugeschaut. Wer nicht zugeschaut hat, hat weggesehen. 
Wir stehen heute hier, auf dem Grunthalplatz. Er hat seinen Namen von der Lehrerin Marianne Grunthal. Sie wurde nur eine Stunde vom Eintreffen der amerikanischen Truppen hier auf diesem Platz von den Nazis gehängt. Ihr Verbrechen? Als sie vom Tod Adolf Hitlers erfurhr, rief sie: „Gott sei Dank, dann gibt es Frieden!“ Die SS hörte dies, packte sie, schleifte sie auf ein Militärauto und brachte sie zum Bahnhofsvorplatz. Man band ihr ein Schild mit der Aufschrift „Verräterin des Volkes“ um und 2 SS-Männer hängten sie auf. Und das alles vor den Augen von ca. 100 Menschen. Wir gedenken hiermit der Ermordung von Marianne Grunthal, auf dass sie nie vergessen wird.
Heute wird hier auf dem Grunthal-Platz an Marianne Grunthal mit einer unscheinbar angebrachten Gedenktafel gedacht. Doch das reicht nicht aus um an die ungeheuerlichen Verbrechen Nazideutschlands zu erinnern und Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Es gab und gibt heute immer noch Menschen, die sich hinter die mörderische NS-Ideologie stellen und sich organisieren, in Kameradschaften, Parteien, oder aber im Untergrund, wie durch das Auffliegen des NSU deutlich wurde. Besonders seit einigen Jahren stellen wir, Antifaschist_Innen und Zivilgesellschaft, einen beängstigen Rechtsruck fest. Geschichtsrevisionismus, also die Umdeutung historischer Begebenheiten, spielt eine zentrale Rolle in der rechten Ideologie. Auch die Akteure der sog. „Neuen Rechten“ legen sich die Geschichte gerne so zurecht, wie sie sie brauchen. Ob Alexander Gauland von der AfD von einer „sauberen Wehrmacht“ sprechen will oder die Identitären den angeblichen „Schuldkult“ im Zusammenhang mit dem Holocaust herbeibeschwören. Ziel dieser Strategie ist es, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und die Lehren aus Auschwitz abzutun, um ungestört die Saat für Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus zu sähen.
Diese Zustände machen natürlich vor Schwerin nicht halt.2015 und 2016 gab es zahlreiche rassistische Demonstrationen, an denen viele eindeutige Neonazikader teilgenommen haben. Das besonders pervide daran: Fast alle dieser Demonstrationen hatten hier, ausgerechnet auf dem Grunthalplatz ihren Start- und Endpunkt. Auf diesem Platz, auf dem eine mutige Frau von Nazis gehängt wurde, wird das Gedenken mit Füßen getreten um erneut gegen Andersdenkende, Geflüchtete und „Die da oben“ auf die Straße zu gehen.
Es bleibt weiterhin unsere Aufgabe, aktiv gegen Neonazis, Rassisten und sonstige Menschenfeinde zu kämpfen. Eine befreite Gesellschaft, wie wir sie uns wünschen, ist noch weit entfernt. Zu unseren Bemühungen für einen wie auch immer gearteten Fortschritt gehört auch, den faschistischen Rollback in seine Schranken zu weisen.
Nächste Woche, am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, will die NPD wie jedes Jahr durch Demmin marschieren. Sie will die Deutschen zu den wahren Opfern des von ihnen angezettelten Krieges stilisieren. Doch wie jedes Jahr regt sich antifaschistischer Widerstand gegen den Aufmarsch. Informiert euch über die Gegenproteste und am wichtigsten: Fahrt an diesem Tag dort hin und unterstützt die anwesenden Antifaschist_Innen.
Nie wieder Krieg, Nie wieder Auschwitz! 
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“Feiern und Gedenken” Kundgebung

Aufruf:

Am 2. Mai 1945 wurde Schwerin von den Alliierten befreit. Der Einmarsch der Amerikanischen und der Roten Armee bedeutete für tausende Menschen das Ende des nationalsozialistischen Wahnsinns.
Wir wollen den Jahrestag der Befreiung Schwerins feiern und den Grausamkeiten der Nazis erinnern. Die Geschichte darf nicht vergessen werden, wir müssen Lehren aus ihr ziehen. Eine zunehmende Geschichtsvergessenheit erstarkt zusammen mit einer zunehmenden Akzeptanz rechter Tendenzen.

Würdiges Gedenken

Nur eine Stunde vor dem Eintreffen der Alliierten wurde die Lehrerin Marianne Grunthal auf dem Bahnhofsvorplatz von den Nazis erhängt. Heute ist der Platz zwar nach ihr benannt und eine unscheinbare Gedenktafel ist angebracht, ein wirkliches Gedenken findet aber nicht statt. Vielmehr fanden in der jüngeren Vergangenheit wiederholt wie selbstverständlich rechte Demonstrationen auf dem Grunthalplatz statt, ohne dass sich die Stadt daran gestört hat. Wir wollen ein würdiges Gedenken für Marianne Grunthal, das letzte Opfer des Faschismus in Schwerin.

Kommt zur Kundgebung um 17 Uhr auf dem Grunthalplatz!
Kontakt: a19schwerin@systemausfall.org

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„Sitzen bleiben!“ – Verfahren gegen Zivilen Ungehorsam in Schwerin

Wir dokumentieren eine Mitteilung von Rostock Hilft:

Protestieren darf nicht teuer werden!

Am 28. Februar verhandelt das Verwaltungsgericht in Schwerin die Frage, ob friedlicher Protest die Demonstrant*innen in Mecklenburg-Vorpommern zukünftig Geld kosten wird. 126€ für den tatkräftigen Körper-Einsatz der BeamtInnen pro Demonstrant*in stehen zur Debatte. Diese hatten mit einer Sitzblockade gegen eine Sammel-Abschiebung in sogenannte “sichere Herkunftsländer” von Rostock-Laage aus protestiert.
Kommt zahlreich!
Kommt zahlreich zur Kundgebung und macht deutlich: Versammlungsfreiheit ist ein Grundrecht! Wer für zivile Protestformen bezahlen muss, wird diese nicht mehr machen. Grade in Mecklenburg-Vorpommern ein verheerendes Zeichen an die Zivilgesellschaft. Bringt Stühle und Sitzgelegenheiten mit, denn: Sitzen bleiben werden wir auch vor dem Verwaltungsgericht in Schwerin. 12 Uhr Kundgebung, 13 Uhr Verhandlung (öffentlich).
Zum Hintergrund
Das Polizeipräsidium Rostock forderte nach der Sitzblockade die Polizeieinsatzkosten von den Teilnehmer*innen, diese klagten dagegen. Ziviler Ungehorsam gegen Abschiebungen ist legitim und notwendig.
Zurzeit übernehmen die Bundesländer die Polizeieinsatzkosten bei Demonstrationen und Versammlungen – sollte die Polizei mit ihrer Forderung durchkommen, könnte das Auswirkungen auf alle Protestformen in Mecklenburg-Vorpommern haben. 
Am 28.Februar wird über die Zukunft der Versammlungsfreiheit in Mecklenburg-Vorpommern verhandelt und diskutiert, sowohl im Gerichtssaal, als auch auf der Straße vor dem Verwaltungsgericht.

Endlich wieder Input

Wir freuen uns, neue Veranstaltungen ankündigen zu können. Das Komplex Schwerin hat in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung MV 2 Termine festziehen können.

Diese wären:

06.04.18 – Jamel: Willkommen bei der Dorfgemeinschaft

08.06.18 – “Nach dem Sturm” – Lesung mit Sören Kohlhuber

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Das war sicher noch nicht alles, achtet auf Ankündigungen!

AfD & Pegida in Schwerin

Im Zuge einer von Lutz Bachmann & Pegida angemeldeten Veranstaltungsreihe kam es am 16.02.18 zu einem von der AfD als „Bürgerdialog“ angekündigten Veranstaltung im Restaurant „Lindengarten“. Thema der Veranstaltung war: „Pegida: Entstehung und Geschichte“.

Das Bündnis „Schwerin für Alle“ organisierte 2 Gegenkundgebungen.

Bunter Protest

Bereits um 16:30 Uhr versammelten sich ca. 90 Personen am Grunthalplatz zu der Kundgebung „Gegen Nationalismus und Ausgrenzung“. Nachdem diese eine Stunde später beendet wurde, machte sich ein Großteil der Gegendemonstrant_Innen auf den Weg zum „Lindengarten“. Ein Stück des Weges wirde genutzt, um eine Spontandemonstration durch zu ziehen. Auf der anderen Straßenseite, in Hör- und Sichtweite der AfD-Kundgebung, fand die zweite Kundgebung statt, zu der ebenfalls noch Personen dazu stießen.

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Spalter?

Einen besonders fragwürdigen Auftritt lieferte sich David Bühring. Er war Organisator der „Deutschland wehrt sich (DWS)“-Demonstrationen, welche 2015 und 2016 in Schwerin stattgefunden haben. Die Demos galten als Anlaufstelle für „besorgte Bürger“ und organisierte Neonazis, welche ihren Rassismus auf die Straßen getragen haben. Im Zuge der regelmäßig stattfindenden Naziaufmärsche stiegen auch die Übergriffe auf Migrant_Innen und vermeintlich Linke drastisch an.

Bühring, in Begleitung des DWS-Mitgliedes Heiko M, biederte sich bei der heutigen Kundgebung bei Gegendemonstrant_Innen an und wollte sie überreden, gemeinsam gegen Lutz Bachmann Stimmung zu machen. Schließlich sei Bühring ja kein Rassist, sondern findet nur die Politik verkehrt. Es ist davon auszugehen, dass er hier seinen angeblichen Ausstieg untermauern will. In Kürze wird ein Urteil zu mehreren Straftaten, die auf sein Konto gehen sollen, gefällt werden. Es ist mit einer Haftstrafe zu rechnen. Auch der Prozess um den vorgetäuschten Terroranschlag steht noch aus, was ihn scheinbar ebenfalls unter Druck setzt.

Wie unglaubwürdig dieser Ausstieg ist, zeigt sein Verhalten auch nach seiner U-Haft. Zu seinen Prozessen wird er immer wieder von Personen begleitet, die eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. Auch auf Facebook fantasiert er weiterhin von Muslimen, die dabei sind, westliche Länder zu „erobern“. Auch sein Faible für rechte Modemarken hat seinen „Ausstieg“ überlebt.

Die Inszenierung als Aussteiger, sofern das der Zweck des Schauspiels war, ist ihm in jeder Hinsicht gründlich misslungen.

Bürgerdialog?

Die AfD spricht von einem „Bürgerdialog, der seinen Namen verdient“ und 120 Gästen. Journalisten zählten ca. 80 anwesende Personen. Darunter befanden sich mehrheitlich AfD-Funktionäre und -Anhänger. Der Abend hatte eher den Charakter einer Selbstbespaßung statt eines Dialoges.

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Fazit

Trotz der kurzen Mobilisierungszeit von nur einer Woche konnten über 100 Menschen auf die Straße gebracht werden, um gegen den Schulterschluss von AfD und Pegida zu demonstrieren. Dies ist von linker Seite eindeutig als Erfolg zu werten. Obwohl mit bundesweit bekannten Pegida-Persönlichkeiten geworben wurde, war die Anzahl der AfD-Anhänger doch überschaubar.

 

Berichte und Fotos der Recherchegruppe AST sind HIER und HIER zu finden, außerdem HIER ein Artikel von Endstation Rechts.

++ UPDATE ZU FREITAG ++

Neben der Kundgebung “Gegen Nationalismus und Ausgrenzung” um 16:30 Uhr auf dem Grunthalplatz wurde nun eine zweite Kundgebung in Hör- und Sichtweite der AfD-Veranstaltung angemeldet. Sie findet von 18-20 Uhr im Bereich der “Total”-Tankstelle in der Lübecker Str.  270 statt. Direkt auf der anderen Straßenseite befindet sich das Restaurant “Lindengarten”,  in dem die AfD den “Infovortrag” durchführen möchte.