Vorträge in der zweiten Jahreshälfte

Wir freuen uns, auch für dieses Jahr einige spannende Vorträge in Schwerin veranstalten zu können.

Soweit nicht anders gekennzeichnet, finden die Veranstaltungen im Komplex Schwerin, Pfaffenstraße 4, statt. Achtet auf Ankündigungen für noch mehr spannenden Input.vortraege18.png

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AfD läuft in Schwerin

Nach 4 stationären Kundgebungen lief die AfD heute das erste Mal durch die Innenstadt. Während sich am Auftaktort, dem Südufer des Pfaffenteichs, ca 250 Rassisten von NPD, über Kameradschaften bis AfD versammelten, gab es eine Gegenkundgebung des Bündnisses „Schwerin für Alle“ auf dem Marktplatz.

Auf der Gegenkundgebung gab es mehrere Redebeiträge, unter anderem ergriff beim offenen Mikrofon ein Syrer das Wort und berichtete über seine Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland. Die merkwürdige Angewohnheit mancher Gegenprotestler_Innen, Deutschlandfahnen mitzubringen, gab es diese Woche nicht. Trotzdem ist zu kritisieren, dass sich das aufrufende Bündnis „Schwerin für Alle“ noch immer nicht deutlich gegen Nationalismus als Teil des Problems positioniert hat.

Insgesamt kamen ca. 200 vorwiegend junge Menschen zusammen, um gegen das rückschrittliche Weltbild der AfD zu protestieren.

Die Route der AfD wurde mehrmals durch Gegenproteste gestört. Auf der Abschlusskundgebung war die Rede von Hagen Brauer durch lautes Getrommel kaum zu verstehen. Teilweise vermummten sich einige AfD-Anhänger, was von der Polizei jedoch nicht weiter geahndet wurde.

Auch in den kommenden Wochen wird die AfD wieder aufmarschieren. Antifa und Zivilgesellschaft müssen einen langen Atem beweisen, wenn sie den Rassisten die Straße streitig machen wollen. Hierzu zählt auch, eigene Akzente zu setzen und sich nicht nur auf den Marktplatz vertrösten zu lassen, während die AfD durch die Stadt läuft.

 

 

AfD läuft (nicht).

Nach nunmehr 4 stationären Kundgebungen will die AfD heute (24.09.18) durch die Innenstadt von Schwerin marschieren.

Im Gegensatz zu den erfolgreichen Protesten am Wochenende in Rostock, werden die Rassisten hier auf vergleichsweise wenig Widerstand stoßen. Nachdem der Gegenprotest nach zahlenmäßiger Überlegenheit auf das gleiche Level wie die AfD-Veranstaltungen gesunken sind, ist es wichtig, umso entschlossener auf die Straße zu gehen. Gegen Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und Sexismus!

Eine angemeldete Gegenkundgebung vom Bündnis “Schwerin für Alle” findet ab 18:30 auf dem Marktlpatz statt.

AfD & NPD vereint im Rassismus

Am 03.09.2018 um 19 Uhr rief die AfD erneut zur Mahnwache auf. Anlass war der Tod des Chemnitzers Daniel H., welcher vor einer Woche erstochen wurde. Schon bevor die Täter bekannt waren, instrumentalisierten rechte Kräfte den Todesfall, um Stimmung gegen Geflüchtete zu machen.

Die Gegenkundgebung des Bündnisses „Schwerin für Alle“ war mit ca. 350 Menschen gut besucht. Parteiorganisationen, politische Initiativen und Zivilgesellschaft demonstrierten gegen rechte Meinungsmache.

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Die Mahnwache der AfD deckte das komplette Spektrum an extrem rechten Strukturen ab. Neben eigenen Landstagsabgeordneten und Mitgliedern, fanden sich auch militante Neonazi-Kameradschaften und NPD-Kader wie Andreas Theißen (Kreisvorsitz NPD Westmecklenburg) ein. Zudem fanden sich viele unorganisierte Neonazis zusammen. In der ersten Reihe standen neben AfD-Mitgliedern auch Personen mit Shirts der rechtsradikalen Hooligan-Band „Kategorie C“ oder der „Schwarzen Sonne“.

Im Allgemeinen kann von „Trauer“ nicht die Rede sein. Die Stimmung war aggressiv und viele der Nazis wollten sich ihr Bier nicht nehmen lassen. Es geht ihnen nicht um einen verstorbenen Menschen, sondern um den eigenen Rassismus.

Insgesamt nahmen ca. 150 Personen an der rassistischen Mahnwache teil.

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Saufen gegen Trauer?

Im Anschluss der Mahnwache versammelten sich ca. 30 Nazis aus dem Umfeld von NPD/JN und Kameradschaftsstrukturen, um gesammelt zum Marienplatz zu laufen. Von dort aus zogen sie Parolen brüllend zum Hauptbahnhof, wo sich die Gruppe auflöste. Das rassistische Klima, befeuert durch AfD und Pegida, führt zu einem neuen Selbstvertrauen in der gesamten rechten Szene.

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NPD-Kader Theißen im Gespräch mit Norbert Höfs

Es ist erfreulich, dass eine breit aufgestellte Gegenkundgebung den Rassisten nicht den Platz überlassen hat. Kritikwürdig ist jedoch, dass mit Nazis auf der eigenen Kundgebung nicht konsequent genug umgegangen wurde. Außerdem gab es von Einzelpersonen den Versuch, einen Dialog zwischen den Rassisten und der Bündniskundgebung herzustellen, welcher zum Glück nicht gelang. Rassismus ist keine Diskussionsgrundlage und muss entschieden zurückgewiesen werden.

Wir hoffen weiterhn auf eine kontinuierliche antifaschistische Arbeit von allen Akteur_Innen, welche heute auf der Straße waren. Der heutige Tag hat gezeigt, dass es auch in Schwerin ein Mobilisierungspotential gibt, welches unbedingt genutzt werden muss.

AfD greift Passanten an

Am Freitag, den 25.05.2018, kam es vor dem Büro der AfD in der Friedrichstraße 14 zu einem tätlichen Übergriff auf einen Passanten.

Vor dem AfD-Büro steht auf dem Bürgersteig ein Zeitungsständer mit Ausgaben des parteinahen „Deutschland Kurier“. Als sich ein jugendlicher Passant ein paar Exemplare der Zeitung, welche offensichtlich zur Mitnahme bestimmt waren, gegriffen hat, stürmten AfD-Mitarbeiterin Petra Federau sowie zwei weitere Personen (männlich und weiblich) aus dem Büro und drückten ihn gegen die Wand. Die männliche Person schlug zu, während Federau den Jugendlichen festhielt. Die weibliche Person filmte das Geschehen. Er trug einige leichte Verletzungen davon, welche notärztlich attestiert wurden. Grund für den Übergriff war anscheinend, dass der Jugendliche optisch nicht ins rechte Weltbild der AfD passte und demnach anscheinend kein Recht besitze, die kostenlosen Zeitungen mitzunehmen.

Spätes Reagieren der Polizei

Nachdem der Betroffene das erste Mal die Polizei verständigt hat, sagten ihm diese telefonisch, dass er ja online eine Anzeige stellen könne. Dass ein Eintreffen der Beamten erforderlich ist, um die Täter im Büro aufzunehmen, interessierte sie wohl nicht. Erst nachdem eine Streife eintraf, die von der AfD verständigt wurde, konnte der Betroffene die Situation schildern und eine Anzeige wegen Körperverletzung sowie der Verletzung des Rechts am eigenen Bild stellen.

Alte Taktik

Im AfD-Büro konnte die Mitarbeiterin Federau von der Polizei angetroffen werden, die anderen beiden Personen sind bereits verschwunden. Hier zeigen sich Parallelen auf zu einem Vorfall aus dem Jahr 2014. Dort hat ein AfD-Mitglied bei einem Wahlkampfstand 2 Jugendliche mit Reizgas angegriffen. Der Angreifer war Polizist und benutzte für den Einsatz vorgesehenes Pfefferspray. Nach dem Angriff machte er sich aus dem Staub, kaufte in einem Zoogeschäft ein deutlich harmloseres Pfefferspray und gab dieses als Tatwerzeug ab. Der Schwindel flog aber auf.

Hier versuchte sich die AfD als Opfer zu inszenieren. Angeblich ging sie von einer Bedrohung aus. Wie ein erfahrener Polizeibeamter, der unter anderem den Einsatz am G8-Gipfel mitgeplant hat, sich durch 2 Jugendliche mit Konfetti derart aus der Fassung geraten konnte, wurde nie aufgeklärt.

Es ist zu erwarten, dass die AfD sich hier ebenfalls als Opfer inszenieren will und deshalb „provisorisch“ selbst die Polizei nach dem Vorfall gerufen hat.

Es zeigt sich erneut, dass einem rechten Weltbild immer Gewalt innewohnt, egal wie bürgerlich man sich zu geben versucht. Sobald (vermeintliche) politische Gegner auftauchen und Rechte sich sicher genug fühlen, kann es immer wieder zu Übergriffen kommen.

Wir müssen der AfD die Wohlfühlräume nehmen. Wenn Rassisten eingreifen müssen wir dafür sorgen, dass sie es nicht erneut tun werden.

Bilder der Verletzungen stammen von der Plattenbau Antifa Schwerin:

PM: Kundgebung “Feiern und Gedenken”

Am Mittwoch, den 2. Mai 2018 kamen um 17 Uhr ca. 25 Menschen auf dem Grunthalplatz zusammen, um den 73. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus zu feiern.
Mit Musik und einem Redebeitrag wurde an das Eintreffen der Alliierten in Schwerin und Nordwestmecklenurg erinnert, was für tausende Menschen das Ende des Naziterrors bedeutete. Auch wurde thematisiert, wie Faschisten die Geschichte umdeuten wollen, beispielweise wenn die AfD von einer „sauberen Wehrmacht“ oder einem vermeintlichen „Schuldkult“ wegen der NS-Verbrechen fabuliert. Derartige Geschichtsverdrehung und Verharmlosung wird von der Kundgebung entschieden zurück gewiesen.
Die Wahl des Platzes ist nicht zufällig, denn genau an diesem Ort wurde nur wenige Stunden vor dem Eintreffen de Alliierten die Zehdenicker Lehrerin Marianne Grunthal von SS-Männern aufgehängt.
 
„Es ist unerträglich, dass dieser Platz, und damit auch der Name Grunthals, in den letzten Jahren für eine Vielzahl rechter Veranstaltungen herhalten musste.“, sagt Max Goldbaum, einer der Organisatoren. Viele rassistische Demonstrationen fanden hier statt, 2015 sogar regelmäßig.
Dazu kommt, dass es bis auf die unscheinbare Gedenktafel keinerlei Erinnerungskultur gibt. „Ziel der Kundgebung war es deshalb auch, ein würdiges Gedenken zu schaffen und weder hier, noch anderswo den Neonazis den Platz zu überlassen.“ 
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Am Ende der Kundgebung zeigt sich Goldbaum zufrieden: „Wir konnten viele Menschen erreichen, es gab gute Gespräche und wir konnten in schöner Runde den Jahrestag der Befreiung feiern, sowie die Erinnerung bewahren.”
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Nachfolgend dokumentieren wir den Redebeitrag:
Liebe Genoss_Innen,
heute, vor 73 Jahren wurde Schwerin vom Nationalsozialismus befreit. Am frühen Morgen des 02. Mai 1945 erreichten Panzereinheiten der 2. Belorussischen Front der Roten Armee unter Marschall Rokossowski das Ostufer des Schweriner Sees, während im Westen die 21. Anglo-amerikanische Heeresgruppe des Feldmarschalls Montgomery in Richtung der Demarkationslinie vorrückte. Bereits in den Mittagsstunden besetzten Einheiten der 8. Amerikanischen Infanteriedivision kampflos die 60.000 Einwohner zählende Gauhauptstadt Schwerin und besiegelten ihre militärische Niederlage.
Dass die Stadt Schwerin wohl größtenteils ohne Widerstand eingenommen werden konnte, heisst jedoch nicht, dass sie nicht Teilgenommen hat an der Vernichtungspraxis der Nazis. Bis zum Einmarsch der Alliierten Streitkräfte setzte das Schweriner Stadtbauamt Kriegsgefangene aus mehreren Nationen für die Straßenunterhaltung und Luftschutzmaßnahmen, bei der Müllabfuhr, der Friedhofsverwaltung und der Unterhaltung städtischer Gebäude ein. Viele Privatbetriebe profitierten anscheinend gern von Zwangsarbeitern, die als billige Arbeitskräfte benutzt wurden.
Schon 1933 wurde den jüdischen Bewohner_Innen Schwerins das Leben erschwert. Durch Boykottaufrufe beispielsweise des Kaufhaus Kychenthal am Markt brachen deren Profite ein. Am 9. November 1938 wurde nicht nur das Kaufhaus, sondern auch die Privatwohnungen der Familie Kychenthal durch die Nazis verwüstet. Alle 16 männlichen Juden kamen als sog. Schutzhäftlinge nach Neustrelitz. Die meisten von ihnen starben später im KZ Theresienstadt. Schon die Antifa Schwerin Mitte hatte 2005 treffend festgestellt:
Es bleibt […] dabei: Wer nicht mitgemacht hat, hat zugeschaut. Wer nicht zugeschaut hat, hat weggesehen. 
Wir stehen heute hier, auf dem Grunthalplatz. Er hat seinen Namen von der Lehrerin Marianne Grunthal. Sie wurde nur eine Stunde vom Eintreffen der amerikanischen Truppen hier auf diesem Platz von den Nazis gehängt. Ihr Verbrechen? Als sie vom Tod Adolf Hitlers erfurhr, rief sie: „Gott sei Dank, dann gibt es Frieden!“ Die SS hörte dies, packte sie, schleifte sie auf ein Militärauto und brachte sie zum Bahnhofsvorplatz. Man band ihr ein Schild mit der Aufschrift „Verräterin des Volkes“ um und 2 SS-Männer hängten sie auf. Und das alles vor den Augen von ca. 100 Menschen. Wir gedenken hiermit der Ermordung von Marianne Grunthal, auf dass sie nie vergessen wird.
Heute wird hier auf dem Grunthal-Platz an Marianne Grunthal mit einer unscheinbar angebrachten Gedenktafel gedacht. Doch das reicht nicht aus um an die ungeheuerlichen Verbrechen Nazideutschlands zu erinnern und Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Es gab und gibt heute immer noch Menschen, die sich hinter die mörderische NS-Ideologie stellen und sich organisieren, in Kameradschaften, Parteien, oder aber im Untergrund, wie durch das Auffliegen des NSU deutlich wurde. Besonders seit einigen Jahren stellen wir, Antifaschist_Innen und Zivilgesellschaft, einen beängstigen Rechtsruck fest. Geschichtsrevisionismus, also die Umdeutung historischer Begebenheiten, spielt eine zentrale Rolle in der rechten Ideologie. Auch die Akteure der sog. „Neuen Rechten“ legen sich die Geschichte gerne so zurecht, wie sie sie brauchen. Ob Alexander Gauland von der AfD von einer „sauberen Wehrmacht“ sprechen will oder die Identitären den angeblichen „Schuldkult“ im Zusammenhang mit dem Holocaust herbeibeschwören. Ziel dieser Strategie ist es, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und die Lehren aus Auschwitz abzutun, um ungestört die Saat für Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus zu sähen.
Diese Zustände machen natürlich vor Schwerin nicht halt.2015 und 2016 gab es zahlreiche rassistische Demonstrationen, an denen viele eindeutige Neonazikader teilgenommen haben. Das besonders pervide daran: Fast alle dieser Demonstrationen hatten hier, ausgerechnet auf dem Grunthalplatz ihren Start- und Endpunkt. Auf diesem Platz, auf dem eine mutige Frau von Nazis gehängt wurde, wird das Gedenken mit Füßen getreten um erneut gegen Andersdenkende, Geflüchtete und „Die da oben“ auf die Straße zu gehen.
Es bleibt weiterhin unsere Aufgabe, aktiv gegen Neonazis, Rassisten und sonstige Menschenfeinde zu kämpfen. Eine befreite Gesellschaft, wie wir sie uns wünschen, ist noch weit entfernt. Zu unseren Bemühungen für einen wie auch immer gearteten Fortschritt gehört auch, den faschistischen Rollback in seine Schranken zu weisen.
Nächste Woche, am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, will die NPD wie jedes Jahr durch Demmin marschieren. Sie will die Deutschen zu den wahren Opfern des von ihnen angezettelten Krieges stilisieren. Doch wie jedes Jahr regt sich antifaschistischer Widerstand gegen den Aufmarsch. Informiert euch über die Gegenproteste und am wichtigsten: Fahrt an diesem Tag dort hin und unterstützt die anwesenden Antifaschist_Innen.
Nie wieder Krieg, Nie wieder Auschwitz!